Wie im Vorfeld vor dieser vierten Halbfinalbegegnung erwartet fanden sich Ben Thomson und Christopher Oravec wieder auf dem Spielberichtsbogen. Die Towerstars startete allerdings nervös in die Partie, vor allem im Spielaufbau fanden viele Pässe nicht den Weg zum eigenen Mitspieler. Landshut machte geschickt an der eigenen blauen Linie die Räume eng, Chancen für die Towerstars eröffneten sich aber in der 5. Spielminute, als ein Landshuter auf die Strafbank musste. Das Powerplay wirkte aber zu verkrampft und durchsichtig, Gäste Keeper Sebastian Vogl war nur wenig geprüft. Effektiver in numerischer Überzahl waren danach die Gäste, und das gleich zweimal. Zunächst stand Davidek völlig vor am Torraum, drei Minuten später erhöhte Kapstad aus halblinker Position auf ein aus Ravensburger Sicht ernüchterndes 0:2.
Dass dieser Spielstand sowohl das Spiel der Towerstars wie auch die Stimmung auf den Rängen ordentlich drückte, machte sich kurz vor Ende des ersten Abschnitts bemerkbar. Für 23 Sekunden waren die Oberschwaben sogar in doppelter Überzahl, doch das Powerplay verpuffte wirkungslos.
So war sie zu Ende, die Ravensburger Eishockeysaison 2011/12. Es war eine schwere und von vielen Rückschlägen geprägte Spielzeit im Jahr 1 nach der Meisterschaft. Der Club, der trotz Meisterschaft nicht aufsteigen durfte und von den ersten Testspielen an von Verletzungen gebeutelt war, schaffte es letztlich in das Halbfinale, war den Tabellenzweiten nach der Vorrunde Heilbronn nach einem 0:3 Rückstand in der Serie aus dem Viertelfinale. Mehr sollte den vor allem moralisch überzeugenden Ravensburger Cracks letztlich nicht vergönnt sein.
Während Landshut sich auf das Finale freuen darf, steht für die Towerstars nun am nächsten Freitag, 13. April die Saisonabschlussfeier auf dem Programm. Spieler, Funktionäre und Fans wollen gemeinsam noch einmal gebührenden Abschied feiern, zudem werden die Trikots der Saison versteigert und Ben Thomson und Markus Busch und alle anderen Cracks noch einmal gebührend verabschiedet.
Die Pause tat den Oberschwaben sichtlich gut, denn sie kamen frisch und druckvoll aus der Kabine. Endlich lief dann auch das Powerplay besser. Nicht einmal drei Minuten waren spielt ,da bediente Max Schmidle den am langen Pfosten lauernden Scott Champagne mustergültig, der brauchte nur noch ins leere Tor einzuschieben und die Towerstars waren mit 1:2 wieder dran. Und jetzt wackelten die Gäste aus Niederbayern gewaltig. Die Towerstars setzten den Gegner mächtig unter Druck und mehrfach lag der Puck frei auf der Torlinie. Doch bevor ein Ravensburger Akteur nachstochern konnte, brachten die Cannibals den Puck dann doch noch irgendwie aus der Gefahrenzone. Die ausgelassenen Chancen sollten sich wieder einmal auf der anderen Seite rächen. Eine Fehler an der eigenen blauen Linie, Kracik zog vor das Ravensburger Tor und exakt drei Minuten nach dem Ravensburger Anschluss stellte Landshut den 2-Tore Vorsprung wieder her. Danach sollte es bei den Towerstars wieder deutlich verkrampfter laufen, zahlreiche Strafzeiten machten das Spiel zudem zerfahren.
Im Schlussabschnitt fuhren die Towerstars ihre Taktik aufgrund des Rückstandes deutlich offener. Das eröffnete auf der einen Seite mehr Druck nach vorne, allerdings liefen die Gastgeber Gefahr, in Konter zu laufen. So resultierte aus der Not heraus auch eine Strafzeit gegen die Towerstars und erneut wussten die Cannibals diese zu nutzen. Topscorer Mrazek schlenzte den Puck exakt in den Torwinkel und erhöhte auf 1:4. Jetzt schien das Spiel, die Serie und letztlich auch die Ravensburger Saison 2011/12 im Prinzip gelaufen und die Ravensburger Anhängerschaft starte mit aufmunternden Sprechchören und stehenden Ovationen. Doch als Kiel McLeod wie aus dem Nichts den 2:4 markierte, schien doch noch etwas Hoffnung aufzukeimen. Towerstars Trainer Uli Liebsch, der im Schlussabschnitt dann Fredrik Cabana aus diszipliarischen Gründen nicht mehr aufs Eis schickte, musste letzlich dann volles Risiko gehen. Knapp fünf Minuten vor Schluss nahm er Torhüter Christian Rohde zugunsten eines 6. Feldspielers vom Eis, doch es fehlte die Kraft, nochmals eine schlagkräftige Powerplayaufstellung zu formen. Mehrfach rutschten die Pucks aus der Angriffszone, mit drei Treffern in verwaiste Ravensburg Tor erhöhte Landshut kontinuierlich den Spielstand, Kapitän Matt Kinch besorgte zwischenzeitlich noch den 3:6 Treffer. Am Ende hatte das 3:7 nur statistischen Wert, denn Landshut war in den vier Spielen des Halbfinales cleverer, konsequenter und nicht zuletzt kräftemäßig frischer.
Trotz des Ausscheidens im Halbfinale war Towerstars Trainer Uli Liebsch zufrieden mit der Moral seines Teams, das trotz hochkarätiger Ausfälle und diverser ärztlicher Spritzen vor dem Spiel doch noch das Halbfinale erreicht hat. "Hut ab vor dem Charakter dieser Mannschaft und Respekt vor jedem einzelnen Spieler", sagte Liebsch bei der letzten Pressekonferenz des Jahres. Gäste-Trainer Jirí Ehrenberger sah die Serie deutlich knapper und enger, als dass diese der Serienendstand von 4:0 vielleicht widerspiegelte. Zudem entschuldigte er sich für die Ausscheitungen von Landshuter Fans am vergangene Sonntag. "Das steht nicht für das Landhuter Eishockey", sagte der tschechische Trainer.
Auch wenn die Gäste aus Niederbayern berechtigterweise ihren Einzug in das Finale feierten, die letzten Szenen der Saison in der Ravensburger Eissporthalle gehörten dann aber doch den Towerstars. Unmittelbar nach Spielende wurden Markus Busch und Ben Thomson verabschiedet, sie beenden ihre Karriere. Zudem wurde das Trikot von Ben Thomson unter das Hallendach gehängt, seine Nummer "29" wird ab sofort nicht mehr vergeben. Langanhaltende Sprechchöre und die ein oder andere Träne bestimmten ab sofort das Geschehen.